Asymmetrie als grundlegende Eigenschaft alles Lebendigen

In der Natur existiert eine fundamentale Asymmetrie — und sie ist nicht zufällig.

🧬 DNA — eine rechtsgängige Spirale

Das DNA-Molekül (in der Form der B-DNA, die für lebende Organismen charakteristisch ist) ist eine rechtsgängige Doppelhelix.

Das bedeutet:
Wenn man entlang der Achse der Spirale blickt, windet sie sich im Uhrzeigersinn — nach rechts.

Eine linksgängige Form ist ebenfalls möglich (Z-DNA), aber:

  • sie ist selten,
  • entsteht unter speziellen Bedingungen,
  • und ist nicht die Hauptform des Lebens.

Das heißt: Die grundlegende genetische Struktur des Lebens ist bereits asymmetrisch.

🧪 Proteine — eine noch radikalere Asymmetrie

Hier wird es noch interessanter.

Aminosäuren (die Bausteine von Proteinen) existieren in zwei spiegelbildlichen Formen:

  • L-Form
  • D-Form

Sie sind wie linke und rechte Hand — spiegelbildlich, aber nicht kompatibel.

Und hier ein erstaunlicher Fakt:

👉 Alle lebenden Organismen verwenden nahezu ausschließlich L-Aminosäuren.

D-Aminosäuren existieren chemisch, aber das Leben hat sie systematisch nicht gewählt.

Das nennt man Homochiralität des Lebens — das Leben hat sich für eine Seite entschieden.

🔬 Warum ist das so?

Das ist bis heute nicht vollständig geklärt.

Es gibt Hypothesen:

  • eine schwache Symmetrieverletzung auf Ebene fundamentaler physikalischer Wechselwirkungen,
  • der Einfluss von polarisiertem Licht im Kosmos,
  • eine zufällige „erste Wahl“, die anschließend durch Evolution stabilisiert wurde.

Aber die Tatsache bleibt:

Das Leben ist nicht symmetrisch.

🌿 Asymmetrie als Prinzip des Lebendigen

Asymmetrie zeigt sich nicht nur in Molekülen:

  • das Herz ist nach links verschoben,
  • das Gehirn ist funktional lateralisiert (linke/rechte Hemisphäre),
  • Schneckengehäuse sind meist in eine Richtung gewunden,
  • selbst Pflanzen zeigen oft eine bevorzugte Wachstumsrichtung.

Das Leben wird fast nie in strenger Spiegel-Symmetrie organisiert.

🌀 Verbindung zum Modell des Bewusstseins

Auch das Modell des Bewusstseins beruht auf der Annahme,
dass die Richtung der Differenzierung angeboren asymmetrisch ist

(angeboren sind die Einstellung des Bewusstseins zum Objekt,
die Hauptfunktion und die Hilfsfunktion).

Im Fundament des Bewusstseins liegt Asymmetrie.

Wenn die psychologischen Funktionen vollständig symmetrisch wären,
könnte keine von ihnen eine privilegierte Stellung einnehmen.

In diesem Fall:

— gäbe es keine Hauptfunktion,
— keine stabile Ausrichtung des Bewusstseins,
— jeder Akt der Wahrnehmung und des Urteilens wäre in alle Richtungen gleich wahrscheinlich.

Doch das Bewusstsein erfüllt eine Orientierungsfunktion.

Orientierung ist ohne Präferenz unmöglich.

Präferenz bedeutet, dass eine Möglichkeit gegenüber anderen bevorzugt realisiert wird.

Das ist Asymmetrie.

Damit ist Asymmetrie in der Struktur der Bewusstseinsfunktionen
keine Folge, sondern eine Bedingung der Möglichkeit von Bewusstsein selbst.

Ohne sie gäbe es weder Richtung noch Stabilität noch Wahl.

In diesem Sinne beruht das Modell des Bewusstseins nicht auf Gleichgewicht,
sondern auf einem strukturellen Ungleichgewicht.

Ohne dieses Ungleichgewicht hätten wir eine vollständig ausgeglichene Symmetrie.

Und eine ausgeglichene Symmetrie ist die Abwesenheit von Bewegung.

Symmetrie ist ein Zustand der Ruhe.

Asymmetrie ist die Bedingung von Bewegung.

Leben entsteht aus einer stabilen Brechung der Symmetrie.
 

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