Psychologische Energie und ihre Bewegung: Fluss und psychologisches Feld
Unten, in grüner Schrift, werden Zitate aus dem Buch „Liebe. Die Geheimnisse des Auftauens“ von Marina Komissarova wiedergegeben.
Wie entsteht Verliebtheit?
Dies geschieht aufgrund eines Phänomens, das in der Psychologie als „Kathexis“ bezeichnet wird.
Diesen Begriff führte Sigmund Freud (1856–1939), ein österreichischer Psychologe und Neurologe, ein und bezeichnete damit wörtlich eine „Besetzung mit Energie“.
In der dynamischen Psychologie bedeutet dieses Wort „Streben“, „starkes Interesse“, „Okkupation“.
Wenn sich ein Mensch für etwas interessiert, gibt er einen Teil seiner Energie ab. Aber nicht an die Dinge selbst, sondern an die Projektionen dieser Dinge in seinem Feld. Er „züchtet“ eine Figur in seinem Feld, wie es später die Gestaltpsychologen nannten.
Meine Anmerkung: Ding = Objekt.
Mehr dazu: → Objekt und Subjekt
Doch lange vor Freud war dieses Phänomen bereits bekannt und wurde von den alten Okkultisten in ähnlicher Weise beschrieben.
So schrieb beispielsweise Heinrich Cornelius Agrippa (1486–1535):
„Demokrit, Orpheus und viele Pythagoreer, die mit großer Sorgfalt die Eigenschaften der himmlischen und niederen Körper erforschten, sagten, dass alles voller Götter sei… Die Okkultisten nannten Götter die göttlichen Eigenschaften, die in den Körpern verteilt sind. Diese Eigenschaften nennt Zoroaster Anziehungskräfte, Synesios Verlockungen, andere Autoren Lebenskräfte, und wieder andere Seelen, von denen die Eigenschaften der Dinge abhängen und die gemäß ihren Eigenschaften in jedem Körper die Materie der einen Weltseele verbreiten. So überträgt der Mensch, indem er ein Ding erkennt, gleichsam einen Teil seiner Seele in dieses Ding, und das Ding entsteht wiederum in seiner Vorstellung. Die Okkultisten sagen in diesem Fall, dass ein Teil der Seele, der aus einem Wesen hervorgegangen ist, in ein anderes eintritt und es verzaubert, indem er seine Handlungen behindert, wie ein Diamant den Magneten daran hindert, Eisen anzuziehen.“
Meine Anmerkung:
In den Begriffen von Carl Gustav Jung ist ein Mensch, der einen Teil seiner Seele in ein Objekt verlagert, ein Extravertierter.
Ein Mensch hingegen, der sich der „Besetzung“ seiner Energie durch ein Objekt widersetzt, ist ein Introvertierter.
Wie Jung gezeigt hat, wirken in ein und demselben Menschen sowohl eine Bewegung der Energie „nach außen“ (extravertiert) als auch „nach innen“ (introvertiert).
Doch eine Richtung dominiert stets und orientiert das Bewusstsein in Bezug auf das Objekt.
Mehr dazu: → Extraversion und Introversion
Alles, was im Menschen Interesse weckt und seine Aufmerksamkeit auf sich zieht, besitzt für ihn attraktive (göttliche) Eigenschaften im Feld. Dieses Ding (oder dieser Mensch) belebt in ihm einen „Strom der Seele“, einen Energiefluss, wodurch sich der Mensch besser fühlt und in ihm mehr „Leben“ entsteht.
Den Begriff „Energie“ führte erstmals Aristoteles (384–322 v. Chr.) in der „Physik“ ein, wobei er Tätigkeit, Bewegung meinte.
Viele Psychologen, zum Beispiel Alexei Leontiev (1903–1979) und Gordon Allport (1897–1967), waren der Auffassung, dass sich die Persönlichkeit eines Menschen vollständig auf seine Tätigkeit zurückführen lässt.
Der englische Physiker Thomas Young (1773–1829) erinnerte sich an den aristotelischen Begriff und führte ihn wieder in die Physik ein.
Und etwa 100 Jahre später beschrieb der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung (1875–1961), die menschliche Energie als ein Interesse, das sich auf etwas richtet.
Die Energie wird dem Menschen von seinem eigenen Gehirn „zugeteilt“: Es produziert Dopamin und andere Stoffe, die für den Anstieg der Energie verantwortlich sind.
Doch das Gehirn tut dies nur, wenn etwas den Menschen interessiert. Je stärker und je länger das Interesse, desto mehr Energie wird freigesetzt. Menschen, die von etwas begeistert sind, sprühen vor Energie. Sie können jedoch auch erschöpfen, wenn ihr Gehirn die Vergeblichkeit ihrer Bemühungen erkennt.
Selbst auf neurochemischer Ebene hängt die Produktion von Dopamin, das für Motivation verantwortlich ist, vom Endorphin ab, das für das Gefühl der Zufriedenheit mit dem Ergebnis zuständig ist.
In der Apathie gibt das Gehirn sehr wenig Energie frei. Der Mensch fühlt sich formlos und gleichgültig gegenüber allem. In einem Zustand innerer Erhebung hingegen gibt es viel Energie — das kennt jeder, der zumindest einmal einen Anstieg von Motivation, Inspiration oder Leidenschaft erlebt hat.
Die alten Okkultisten sprachen von der Existenz feinstofflicher Felder, in denen sich ein paralleles Leben des Menschen entfaltet, das sein physisches Dasein beeinflusst. Solche Räume waren im Verständnis der Alten von verschiedenen Wesen erfüllt: Göttern, Geistern, Elementaren, von denen das Schicksal des Menschen abhing.
Eine solche Ebene kann nicht einfach als Ebene der Vorstellung betrachtet werden, obwohl die Vorstellung dabei eine Rolle spielt. Neben der eigenen Vorstellung nehmen an der Bildung dieser Ebene viele verschiedene Kräfte teil.
Anmerkung: Diese Kräfte sind meiner Meinung nach psychologische Funktionen — und zwar die eigenen psychologischen Funktionen, und nichts anderes, was zwischen dem Objekt und seinem Bild in der Psyche stehen würde.
Heutzutage wird diese Ebene als „psychologisches Feld“ bezeichnet, und viele ihrer Gesetzmäßigkeiten wurden beschrieben.
Anmerkung: Die Frage ist, ob das „psychologische Feld“ eine eigenständige Realität ist — oder lediglich eine Weise, die Tätigkeit der Psyche zu beschreiben.
Vladimir Bekhterev (1857–1927), ein russischer Psychiater und Physiologe, schrieb, dass zwischen der Psyche als Funktion des Gehirns und der eigentlichen Tätigkeit der Psyche (Denken, Verhalten) ein geheimnisvolles Feld liegt, in dem sich verschiedene Ereignisse entfalten, die die Tätigkeit der Psyche beeinflussen. Dies ist eine eigenständige Realität, die nicht mit dem verwechselt werden darf, was im Leben des Menschen geschieht, obwohl das Leben des Menschen von dieser Realität abhängt.
Anmerkung:
Es ist unklar, warum die Annahme eines „psychologischen Feldes“ als eigenständige Entität zwischen der Funktion des Gehirns und der Tätigkeit der Psyche eingeführt werden soll.
Das „psychologische Feld“ ist mit Bildern von Objekten gefüllt, wobei unter „Objekten“ Dinge der realen Welt verstanden werden.
Die Tätigkeit der Psyche selbst ist dieses „psychologische Feld“, das zwischen der Funktion des Gehirns und der objektiven Welt steht.
Sie besteht darin, ein Weltbild zu bilden.
Nach Carl Gustav Jung (1875–1961) lassen sich in dieser psychischen Tätigkeit vier grundlegende Formen unterscheiden — vier grundlegende psychologische Funktionen.
Jung schreibt:
„Unter psychologischer Funktion verstehe ich eine gewisse, unter verschiedenen Umständen sich prinzipiell gleichbleibende psychische Tätigkeitsform.“
Mehr dazu: → Weltbild und psychologische Funktionen – Wie das Bewusstsein die Welt modelliert
Die verschiedenen Ereignisse, die die Tätigkeit der Psyche beeinflussen, finden in der realen Welt statt (wobei auch unser Körper zur realen Welt gehört).
Zwei Modelle der Interaktion zwischen Subjekt und Objekt: vermittelt oder unmittelbar
🔹 Modell A: Psychologisches Feld (nach Komissarova)
Der Mensch kann mit dem arbeiten, was sein psychologisches Feld füllt, und dieses Feld wird beeinflussen, was mit ihm in der Wirklichkeit auf der physischen Ebene geschieht.
In diesem Modell wird ein „psychologisches Feld“ als eigenständige Instanz zwischen Menschen angenommen.
- Das Subjekt richtet seine Handlungen nicht unmittelbar auf eine andere Person, sondern auf das Feld.
- Das Feld fungiert als Objekt der Handlung.
- Zugleich ist das Feld eine Quelle von Wirkungen, die auf andere Personen gerichtet sind.
- Die Interaktion verläuft daher nicht direkt zwischen zwei Menschen, sondern über das Feld.
👉 Struktur:
Subjekt → Handlung → Feld → Handlung → andere Person

Die Abbildung zeigt ein Modell, in dem das „psychologische Feld“ eine doppelte Funktion hat:
Es ist erstens das Objekt, auf das sich die Handlungen des Subjekts richten.
Zugleich ist es zweitens die Instanz, von der aus Wirkungen auf eine andere Person ausgehen.
Das Subjekt interagiert in diesem Modell also nicht unmittelbar mit einer anderen Person, sondern mit einem „Feld“, das seinerseits – nach eigenen Gesetzmäßigkeiten – auf die Realität einwirkt.
Genau dieser Annahme widerspreche ich.
🔹 Modell B: Unmittelbare Interaktion (meine Position)

Ich gehe davon aus, dass es keine eigenständige vermittelnde Instanz zwischen Subjekt und Objekt gibt.
- Das Subjekt handelt unmittelbar in der realen Welt.
- Die Interaktion erfolgt direkt zwischen Menschen.
- Was als „psychologisches Feld“ bezeichnet wird, ist keine eigenständige Realität.
- Es kann als Beschreibung der psychischen Tätigkeit verstanden werden, nicht als etwas, das zwischen Menschen existiert.
👉 Struktur:
Subjekt → Handlung → andere Person
🔹 Zentrale Differenz
Im ersten Modell wird eine zusätzliche Instanz eingeführt, die zwischen Subjekt und Objekt vermittelt und selbst wirksam ist.
Im zweiten Modell wird auf eine solche Instanz verzichtet:
Die Psyche erzeugt ein Weltbild, das die Handlungen des Subjekts bestimmt —
doch die Wirkungen entstehen nur durch diese Handlungen in der realen Welt.
Das sogenannte „psychologische Feld“ ist keine eigenständige Wirklichkeit, sondern eine begriffliche Konstruktion zur Beschreibung psychischer Prozesse.
Subjektives Weltbild und objektive Realität
Das Weltbild als Inhalt des Bewusstseins des Subjekts bestimmt die Handlungen des Subjekts auf der physischen Ebene, beeinflusst jedoch nicht unmittelbar das reale Geschehen selbst.
Die Realität ist in diesem Sinne objektiv und unabhängig vom subjektiven Weltbild.
Das Weltbild bestimmt die Handlungen des Subjekts auf der physischen Ebene, verändert jedoch nicht unmittelbar die objektive Realität; es wirkt auf die objektive Realität nur durch die Handlungen des Subjekts.
Wie entsteht Verliebtheit?
Du kannst nur durch deine Handlungen auf der physischen Ebene von anderen Personen wahrgenommen werden.
Werde für andere durch deine Handlungen attraktiv.